Das deutsche Internet ist ein Dorf

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Wie ein Netzwerk zum Fallstrick wird

Unsere beiden vorigen Artikel beschäftigten sich mit der Google Abstrafung sowie der Tatsache, dass ein Netzwerk betroffen ist. Diese beiden Artikel haben für mächtig viel Empörung gesorgt. Sowohl bei den SEOs wie auch bei den Unternehmen, die mit Bloggern kooperieren. Und auch die Blogger waren und sind echauffiert. Weil gerade die Frau Franz mal wieder für Stunk sorgt. Doch so sehen das eben auch nur die Blogger, vor allem jene, die hier zu verantworten haben, was passiert. Es ist eben, wie immer, einfacher, sich den Verkünder schlechter Nachrichten als Sündenbock zu markieren anstatt mal über die Kernaussage der Message selbst nachzudenken. Stattdessen wird gelästert, denunziert, neben der Sache diskutiert usw. Fakten zählen nicht, sondern persönliche Animositäten. Genau Gleiches hat bereits vor rund 2 Jahren für mächtigen Trouble gesorgt, obwohl sich seinerzeit immense Möglichkeiten boten, das Handwerk Bloggen zu erlernen.

Lerne aus Fehlern und streue das Risiko

Die Frau Franz ist echt böse. Sie verdient Geld im Internet. Noch dazu höchst offiziell und stellt Kunden und Auftraggebern sogar die erbrachten Dienstleistungen in Rechnung. Welche das jedoch sind, scheinen einige Produkttest-Blogger besser zu wissen, als Frau Franz selbst. Ihre Anfänge im Internet liegen viele Jahre zurück und somit hat sie entsprechend Erfahrungen. In den letzten Jahren ist ein Boom an so genannten Produkt-Test-Blogs zu verzeichnen. Klar, alle entdeckten das Hobby Bloggen ausgerechnet in diesem Bereich für sich. Dass im Bereich Produkttesting tolle Sachen möglich sind und das schnelle Geld lockt, hat natürlich rein gar nichts mit dem plötzlichen Run auf´s Bloggen zu tun. Alles nur Hobby und man hat ja sowieso Zeit im Überfluss. Wollten alle schon immer tun, ganz selbstlos. Ja, iss schon klar, es gibt keinen Zusammenhang, wenn erst Produkttestplattformen wie Pilze aus dem Boden schießen und danach unproportional viele Blogs mit eben diesem Thema. Schnell wurden bevorzugt entsprechende kostenlose Freeblogs bei Anbietern wie Blogspot, Blog und Co eröffnet, weil ja „nur die“ was bekommen, die ein Blog schreiben. Dass es auch schon Blogger VOR den Produkttests gab, die sogar DAVOR schon eigene Websites ihr Eigen nannten, ist den Produkttestern in Gänze fremd. Wer seinerzeit schon Weitblick bewies (und auf erfahrene Mentoren hörte), kehrte dem Freehosting den Rücken, investierte in Top Level Domains, Software, Schulungen, Seminare und entwickelte tragfähige Geschäftsmodelle, die mannigfaltig ausgerichtet sind. Zwar versprachen zunächst das Freeblogging, die Produkttesterei und das Linkbuilding gewisse ähnlich gute Erfolgsaussichten, doch das Ende war absehbar. Zumindest für jene, die sich jemals in die Materie eingearbeitet haben. Und nicht mal ist die Netzwerkbildung das einzige Problem. Doch hier liegt zunächst der Fokus.

Erste Blogger ziehen die Notbremse

Im Rahmen der aktuell umfangreich laufenden Google Abstrafung wurden Kommentare auf diesem Blog hinterlassen, die jedweder sachlicher Richtigkeit entbehren. Immerhin kamen einige auf die Idee, nachzufragen und so haben viele im Eilverfahren verstehen können, was es mit der Google Abstrafung auf sich hat und dass, obwohl die beiden vorigen Artikel zwar krass formuliert sind, sie ihre Richtigkeit haben. Nur am Rande soll erwähnt sein, dass es nicht Aufgabe meines Teams oder von mir ist, Worte der Gefälligkeit zu schreiben. Alle, mit denen wir in den letzten Tagen näheren Kontakt in dieser Sache hatten, schworen vorher Stein und Bein, rein gar nichts mit dem abgestraften Netzwerk zu tun zu haben – bis der Nachweis erbracht wurde, dass doch. Zwar nicht immer durch eigenes und bewusstes Zutun, aber alle sind involviert. Da wurden also unpassende Worte  voreilig von der spitzen Zunge geschossen. Die Blogger, die nachgefragt haben, sich Lösungsansätze angehört haben und den Versuch unternehmen, ihre Blogs aus dem Netzwerk zu ziehen, sollten gute Chancen haben, durch diese Phase ohne größeren Schaden heraus zu kommen. Und dann gibt es da auch noch die anderen. Die, die wie vom Blitz getroffen starr stehen oder munter weitermachen und die sich aktuell immer tiefer in das Netzwerk verstricken und somit alle anderen mit in den Abgrund reißen. Auch, wenn ich viele von ihnen wegen geschäftlichen Indiskretionen ihrerseits verurteile und seinerzeit wegen eben diesen angegriffen habe, empfinde ich keine Schadenfreude, dass es eben diese trifft. Allerdings bin ich einmal mehr erschrocken, dass ebendiese es immer noch nicht begriffen haben, wie schädlich ihr Tun sich auf andere auswirkt, die auch noch Partei ergreifen, weil sie es nicht besser wissen. Von den Shops, die in Mitleidenschaft gezogen werden, ist hier zunächst einmal noch keine Rede.

Keiner betreibt Linkbuildung oder lässt sich bezahlen

Eins ist klar, der Weihnachtsmann kommt zusammen mit dem Osterhasen. Und darum ist es auch selbstverständlich, dass Produkt-Test-Blogger keine Artikel verkaufen. Diese Aussage ist lächerlich, zumindest von nahezu all denen, die uns das so geschrieben haben. Nochmals bringe ich in Erinnerung, dass es durchaus andere und vor allem lukrativere Möglichkeiten gibt, im Web Geld zu verdienen. Jemandem, der Firmen berät und der selbst Aufträge im Namen von Firmen an Blogger vergibt, dieses Märchen zu erzählen, ist irgendwie so, wie das Eulen nach Athen tragen. Spätestens, wenn ein Blogger seinen bezahlten Auftrag erledigt hat, sieht man nämlich als Advertiser die URL und weiß somit eindeutig, an wenn die Entlohnung fließt. Nicht weniger suspekt ist die Tatsache, dass offensichtlich viele der betroffenen Blogger scheinbar gar nicht wissen, warum die Google Abstrafung überhaupt passierte. Denn selbst Blogger, die garantiert keine bezahlten Artikel auf dem Blog haben, sind unter den Betroffenen. Google hat aus anderen Gründen, die offen auf der Hand liegen, innerhalb des hier angesprochenen Netzwerks sanktioniert. Nämlich wegen Netzwerkbildung sowie daraus entstandenen unnatürlichen Links. Das ist nicht meine/unsere Meinung, sondern das sind Fakten, die sich nachweisen lassen. So man es denn will und kann.

Was ist Netzwerkbildung?

Eins mal vorweg. Netzwerke lassen sich mit Mühe, Zeitaufwand, dem Gebrauch von kostenlosen, noch einfacher mit bezahlpflichtigen Tools finden und nachweisen. Sie werden zufällig entdeckt oder bei einer Rankinganalyse aufgespürt. Im konkreten Fall verhält es sich sogar derart, dass viele SEOs, Unternehmen und Kunden die Produkttesterkreise als Netzwerk kannten, so auch ich. In der Folge wurde es zunehmend bemerkbar, dass Unternehmen mit eigener SEO Abteilung oder zu Rate gezogenen Agenturen von solchen Blogs Abstand nahmen bzw. oft alte Links abbauen oder neutralisieren ließen. Kernproblem eines Netzwerks – ganz gleich ob beabsichtig oder aus Unwissenheit aufgebaut – ist die immer wieder massiv passierende Verlinkung der beteiligten Blogs untereinander. Reziprokverlinkungen müssen nicht, können aber schädlich sein. Nun haben wir es mit einem Jahre lang gewachsenen Netzwerk zu tun, in dem Tipps wie „Wir müssen mehr kommentieren!“ sowie „Wir müssen uns besser verknüpfen!“ an der Tagesordnung waren. Ebenso die Realisierung dieser Tipps. Es hagelte fortan nur so Kommentare, Awards, Knüller, Füller und Paraden. Und noch besser, dies beeindruckte die Firmen nicht weniger wie 200, 300 oder 500 sichtbare Verfolger, auch, wenn es überwiegend nur wieder andere Produkttester sind. Man gaukelte eine immense Schar interessierter Leserschaft vor und produzierte Link um Link.

Fiktives Rechenbeispiel eines Netzwerks

Gewiss lässt sich kaum mit einfachen Methoden  eine reale Berechnung herleiten, wie viele Links tatsächlich innerhalb dieses Netzwerks tatsächlich gelegt wurden. Doch anhand des Gesehenen lässt sich zumindest mal ein Zahlenbeispiel zum Verdeutlichen in den Raum stellen.

  • Beteiligt sind ca. 50 Kernblogs sowie mind. 250 involvierte Blogs = 300
  • Jeder Blogger legt pro Tag 5 Links durch Kommentare 300×5=1.500
  • Dies passiert an 300 Tagen pro Kalenderjahr 1.500×300=450.000
  • Das Ganze mal 5 für 5 Jahre Netzwerk 5×450.000=2.250.000

Diese Zahl ist schon immens und man kann durchaus davon ausgehen, dass sie weit höher angesiedelt werden muss. Denn es gibt zum Beispiel Blogparaden, Blogawards, Gewinnspiele, durch die deutlich häufiger kommentiert wird und zudem gibt es das Sitewide-Problem. Ein gelegter Link kann mehrfach gezählt werden, wenn nicht richtig programmiert wurde. So kann ganz leicht ein Blog mit nur einem gesetzten Link eben mal einfach so 200, 500, 1000, 5000 mal oder noch öfter gezählt werden.

Doch es geht noch schlimmer

Dem aufmerksamen Leser könnte nun aufgefallen sein, dass bisher nur von den Verlinkungen der Blogger untereinander die Rede war. Es kommen jedoch noch viel mehr Verlinkungen der einzelnen Blogs zustande und so strickt sich das Netzwerk immer dichter. Kompensiert wird das Ganze zudem durch Fehler, die nebenbei auch noch gemacht werden. Diese muss man gewiss keinem Blogger zur Last legen, denn jeder hat mal angefangen und Fehler gemacht. Trotzdem wirken diese innerhalb eines Netzwerks zusätzlich als Multiplikatoren. Es war also nur eine Frage der Zeit, wann die Google Abstrafung erfolgen würde. Vielmehr grenzt es fast schon an ein Wunder, dass es so lange gut ging. Nun ist guter Rat teuer, zumal Google mit der Abstrafungsrunde nicht fertig zu sein scheint. Die Liste der abgestraften Blogs wächst derzeit von Tag zu Tag und so frisst Google sich von einem Blog zum anderen und verhängt eine Penalty nach der anderen – ungebremst. Denn Links, ganz gleich ob do- oder no-follow sind Pflastersteine, mit denen man Google den Weg ebnet. Nach wie vor sind sich die Hauptverursacher – jene, bei denen die Fäden zusammenlaufen – nicht um die Tragweite bewusst. Bestenfalls sehen sie den Untergang des eigenen Blogs, doch eins muss klar sein. Viele von ihnen haben den gleichen Shops Support geleistet. Bricht der Juice weg und entfaltet die Penalty erst ihre Wirkung, dann werden auch die Firmen nicht mehr amused sein.

Anstatt also Anfeindungen zu pflegen, wäre es jetzt wohl der beste Zeitpunkt, Diskrepanzen beiseite zu legen und konstruktiv Schadensbegrenzung einzuleiten. Und zwar in dem Kollektiv, das auch das Netzwerk über viele Jahre ausgebaut hat.

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2 thoughts on “Das deutsche Internet ist ein Dorf

  1. Habe ich das nun richtig verstanden das schädliche Netzwerk beläuft sich allgemein auf die
    die Produkttestblogger bzw. diejenigen Blogs die bezahlte Artikel nicht als diese kennzeichnen und auch die die durch Fankauf ihre Blogs puschen.

    1. Soweit wir das sehen, sind nicht markierte bezahlte Artikel nicht das Problem, sondern Auslöser ist die Netzwerkstruktur. Google erklärte wohl auch auffälliges Besucherverhalten.

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