Exkurs in Affiliate – Alles Schmu oder was?

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Das Geschäft mit Sales und Klicks

Es klingt vielversprechend. Man baut einen Affiliatelink ein und schon rollt der Rubel. So oder so ähnlich klingt es, wenn Firmen Blogger anschreiben und die Einbindung von Partnerlinks schmackhaft machen wollen. Im Rahmen der Monetarisierung ist es durchaus sinnvoll, über die Provision durch Sales nachzudenken. Für gut frequentierte Blogs und Nischenblogs kann dies eine lukrative Einnahmequelle sein. Allerdings sind Affiliateeinbindungen Vertrauenssache. Als Blogger steht man bei dieser geschäftlichen Beziehung nach Shop, Plattform und Kunde am Ende der Kette. Zwar können bei diversen Programmen Testkäufe gemacht werden, doch was passiert, wenn ausgerechnet ein solcher schief geht, nicht getrackt wird und „eine Ausnahme“ ist und „bei allen anderen Sales garantiert alles richtig“ läuft? Wirklich überwachen kann ein Publisher das nicht. Dass es bei Affiliate Programmen nicht immer seriös und fair zugeht, dass zeigen manche Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben oder die uns glaubhaft dargelegt wurden. Wie im Affiliatemarketing abgezockt, belogen und betrogen wird, ist deshalb das heutige Thema.

Krasser Beschiss – Teil 1: In dubio pro reo

Eine sehr bekannte Online-Apotheke vertreibt ein bestimmtes Produkt, das regelmäßig von einem Blogger durch Partnerlinks beworben wurde. Die Deeplinks zum entsprechenden Produkt können über eine Affiliateplattform generiert werden, so dass Leser direkt zum Produkt durchklicken können. Der so generierte Partnerlink wird darüber hinaus in einen Pretty Link umgewandelt und per Statistik die Klickrate verfolgt. Eben jener Affiliatelink wird unmittelbar über zahlreiche Kanäle unmittelbar in die angesprochene Zielgruppe gestreut, die auf die Erscheinung des Produkts wartet. Dementsprechend hoch ist die Salerate. Das Produkt erscheint nur Quartalsweise, der Verkaufsstart ist unbekannt und das Produkt ist derart begehrt, das es binnen weniger Stunden trotz hoher Auflage restlos ausverkauft ist. Die Sales stiegen von Quartal zu Quartal, die Provision darum sehr gut und kontinuierlich steigend. Die Storno-Quote des Anbieters allgemein: 10,79 %. Pro Sale – bei dem bestimmten Produkt deutlich niedriger. Es kann lediglich 1x das Produkt in den Warenkorb gelegt werden. Kunden, die es mehrfach ordern, müssen also mehrere Bestellungen tätigen. Unabhängig vom Einkaufswert gibt´s 4 Euro Provision pro Bestellung. Dem Publisher wurden nachfolgende Provisionen ausgezahlt

  • Verkaufsaktion (Q1):  56 Euro Provision
  • Verkaufsaktion (Q2): 188 Euro Provision
  • Verkaufsaktion (Q3) 296 Euro Provision ( von tatsächlichen 400+ Euro, die anfangs in der Affiliate-Statistik angezeigt wurden, ein wenig Schwund „ist ja immer“.)
Generierte Klicks
Generierte Klicks

Bis zum 3. Quartal scheint soweit alles in Ordnung, zumindest hat der Publisher da dem Affiliateprogramm noch nicht näher auf die Finger geschaut. Doch nun passiert folgendes. Obwohl der Publisher in der nächsten Verkaufsrunde (Q3) noch intensiver das Produkt bewarb und als erster überhaupt auf den Verkaufsstart in die Zielgruppe aufmerksam machte und somit seine Sales um 100 % steigern konnte, stieg die Storno-Rate überproportional an. Die Provision lag zunächst in der Affiliate-Statistik bei ca. 460 Euro. Unterm Strich wurden über 160 Euro weniger vergütet und 296 Euro ausgezahlt. Bis dahin könnte man meinen, das Produkt wäre aus irgendwelchen Gründen häufiger retourniert worden. Unwahrscheinlich, aber im Bereich des Möglichen. In dubio pro reo … einstweilen.

Krasser Beschiss – Teil 2: Online Apotheke stellt Weiche um

Die nächste Verkaufsrunde stand an. Für den Publisher waren ein paar elementare Dinge klar:

  1. Frische Deeplinks generieren.
  2. Frische Pretty Links generieren, damit der Counter auf Null steht.
  3. Notieren, wer nachvollziehbar über diesen Deeplink gekauft hat.
  4. Klicks aufmerksam verfolgen.

Die Bewerbung erfolgte nochmals intensivierter, das Interesse der Zielgruppe war ungebrochen. Man wartete auf die Verkaufseröffnung des Produkts, demnach war eine weitere Sale-Steigerung zu erwarten. Doch passierte folgendes: In den ersten Minuten stimmten die Klicks über die Pretty Links mit den Klicks die das Affiliatenetzwerk zählte und der Sale-Rate überein. Dann rissen die Verkäufe über den Affiliate Link abrupt ab. Keine Sales mehr. Die Klickrate im Affiliatenetzwerk stagnierte, während der generierte Pretty Link weiter zählte und der Traffic per Analytics eine sehr gute Besucherfrequenz auf die Artikel testierte. Via Facebook bedankten sich Käufer beim Publisher an die Erinnerungsfunktion. Sales blieben weiter aus. Die Folge:

Gesamtprovision: 32 Euro – der kümmerliche Rest nach zahlreichen Stornos. 

Tatsächlich lagen die Verkäufe die über die Partnerlinks des Publishers abgewickelt wurden in einem Provisionsbereich zwischen 500 und 600 Euro, eher mehr.

Krasser Beschiss – Teil 3: Nachgefragt beim Affiliatenetzwerk

Spätestens nach dem letzten Vorfall war es für den Publisher an der Zeit, sowohl beim Affiliatenetzwerk wie auch beim Partnerprogramm-Betreiber nachzufragen. Seitens des Netzwerks wurde klar bestätigt, dass der Partnerprogramm-Betreiber unmittelbar nach den ersten Sales die Weiche umgestellt hat. Somit wurden zwar Kunden über die Links des Publishers zum Produkt geleitet, doch die Provisionen wurden dem Partner nicht vergütet.

Krasser Beschiss – Teil 4: Nachgefragt beim Affiliatenetzwerk

Was nun folgt, ist ein krasses Beispiel, wie im Affilate Bereich beschissen werden kann und auch, wie sich der Ansprechpartner der Online Apotheke in seinen Aussagen verstrickt. Auszüge der Kommunikation

„Hallo nochmal,  unsere Technik kann keinen Fehler finden. Da wir derzeit aber leider nicht die Kapazitäten haben um diesem Problem weiter nachzugehen, würde ich Ihnen folgende zwei Vorschläge unterbreiten: Nennen Sie mir Namen und Bestellnummern der Leute, die definitiv über Ihre Seite bestellt haben und ich schreibe Ihnen hierfür die Provision auf Kulanz zusätzlich gut. Wechseln Sie in unser Partnerprogramm bei xxx – dort gibt es ebenfalls 4€ pro Sale und das Tracking funktioniert definitiv. xxx ist leider auf einem absteigenden Ast und wird über kurz oder lang wohl eingestellt werden.“

Solch ein „Angebot“ kann man in der Rolle des Ansprechpartners natürlich gut unterbreiten, denn welcher Publisher kennt a) alle seine Leser, b) läuft Lesern hinterher, um Bestellnummern und Klarnamen in Erfahrung zu bringen und c) investiert nochmals derart viel Zeit? Zumindest konnten 28 Käufer namentlich benannt werden und so folgte als nächste Antwort dieses:

„… würde ich Ihnen auf Kulanz zusätzlich 100€ gutschreiben (entspricht 25 Sales). Ich werde im Anschluss allerdings die Zusammenarbeit über xxx beenden…“

Mit Verlaub, diese „Kulanz“ kann sich der Anbieter sonst wohin stecken, denn die Teilnahme am Affiliateprogramm ist Vertrauenssache und keine Frage einer Pseudo-Kulanz. Denn es bleibt, wie es ist: die Online-Apotheke hat einen immensen Umsatz dem Publisher zu verdanken. Es ist nicht des Publisher´s Problem, wenn der Anbieter selbst sein eigenes Provisionsmodell letztlich gar nicht haben will. Dazu folgt gleich eine, sagen wir mal, unglückliche Formulierung, mit der die Online-Apotheke die Katze aus dem Sack lässt. Richtig spannend wird nämlich der PS-Anhang unter diesem „kulanten Angebot“, nachdem man den Publisher um seine Provision von ca. 500 bis 600 Euro gebracht hatte. Denn nun gewährt der Verantwortliche tiefe Einblicke, die nicht weiter ausgeführt werden müssen:

„P.S.: wieso bewerben Sie eigentlich immer nur das Produkt? Sie könnten auch zwischen den einzelnen Terminen Sales generieren indem Sie unser normales Sortiment bewerben. Dies wäre uns auch die deutlich liebere Variante.“

Ebensfalls interessant: Quasi bei jedem Einloggen ins Partnernetzwerk ist auffällig, dass die generierte Verkaufsprovision weniger wird. Doch Stornos sind in der Statistik des Netzwerks nicht gekennzeichnet. Die Verkäufe werden also klammheimlich ausgetragen. Hier kommen also weder Plattform noch Shop wirklich gut weg.

Das nächste Quartal (2014) wurde nicht aufwändig beworben, führte zunächst zu 24 Sales, vergütet wurden abermals signifikant weniger Verkäufe, Stornos sind in der Abrechnung allerdings nicht aufgeführt.

Klicks im 5. Quartal
Klicks im 5. Quartal

Fall 2: Provisionsschwund beim Netzwerk

Ein Publisher pflegt auf einem themenrelevanten Blog seit langem eine fruchtbare und enge Kooperation mit einer Parfümerie. Ohne Partnerlinks. Die Parfümerie veranstaltete eine Sale-Ralley, zu der auch dieser Publisher ins Affiliatenetzwerk eingeladen wurde. Trotz gutem Traffic konnte der Publisher keine Verkäufe in der Statistik sehen, obwohl eine Freundin über einen der Partnerlinks nachweislich eine Bestellung getätigt hatte. Auf Nachfrage des Publishers bei der Parfümerie selbst wurden Sales bestätigt, die jedoch innerhalb des Affiliate-Netzwerks niemals auftauchten. Immerhin: die Parfümerie vergütet außerhalb der Plattform; die Plattform reagiert auf Nachfragen nicht.

Fall 3: Vermittlungen werden nicht gewertet

Im Bereich SEO gibt es diverse Tools, die durchaus teuer sind, will man sie haben. Dementsprechend attraktiv sind auch die Provisionen. Unter Freunden vermittelt man da gerne. So geschehen bei einem mächtigen Analysetool. Ich selbst sprach mit einem Geschäftspartner über die Absicht, dieses Tool zu erwerben, worauf dieser fragte, ob ich einen seiner Partnerlinks dafür anklicken würde. Da jener es war, der mir das Tool schmackhaft machte, sprach nichts dagegen. Die Vergütung blieb jedoch aus. Die Statistik führte keinen Verkauf auf. Immerhin konnte auch hier mit dem Tool-Anbieter die Empfehlung geklärt werden; die berechtigte Provision erfolgte kurzerhand ohne großen Aufwand.

Fazit zum Affiliate-Marketing: Als kostenlose Werbung erwünscht, Sales aber nur bedingt

Die Teilnahme an Affiliate-Programmen ist eine reine Vertrauenssache. Die Beispiele sind nur ein kleiner Ausriss dessen, welche Möglichkeiten zum Prellen es gibt. Betrogen wird seitens einiger Affiliatenetzwerke und bedauerlicherweise sind auch manche Shops nicht ehrlich und gute Publisher oft ein Dorn im Auge. Das kennt man auch von riesigen Unternehmen, die sehr locker Partner rauswerfen, die zu viele Klicks und Sales erreichen. Daneben können auch technische Ursachen verantwortlich sein. Dennoch können Partnerprogramme eine lukrative und faire Monetarisierung von Projekten sein – wenn man entsprechend seriöse Partner findet. Blindes Vertrauen, dass Klicks tatsächlich erfasst und zustande gekommene Sales wirklich vergütet werden, ist jedoch fehl am Platz. Tagtäglich bekommen wir via Mailkontakt Angebote, mit Projekt x oder Projekt y in das Partnerprogramm diverser Shops einzusteigen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass die meisten Angebote lediglich darauf abzielen, kostenlos an attraktive Werbefläche heranzukommen. Denn mit zunehmender Sichtbarkeit und steigendem Traffic häufen sich die Anfragen.

Unser Tipp: Lasst euch nicht ausbeuten

Grundsätzlich spricht nichts gegen die Monetarisierung durch Affiliatelinks. Aufwand, Qualität der angebotenen Werbefläche und Einnahmen sollten jedoch in einem gesunden Verhältnis stehen. Mit je mehr Themenrelevanz ein Projekt zum Partnerprogramm ist und je höher der Traffic innerhalb der angesprochenen Zielgruppe ist, umso wahrscheinlicher wird die Salerate. Es lohnt sich, die Klicks innerhalb des Affiliatenetzwerks im Auge zu behalten und auch selbst Klicks zu messen. Es sollten keine allzu großen Abweichungen auffällig und bei vielen Klicks Umsätze zu verbuchen sein. Bei Auffälligkeiten raten wir zum Testkauf oder aber, den Link wieder zu entfernen. Völlig falsch wäre es unserer Ansicht nach, die eigene Projektierung in der Hoffnung auf Verkäufe mit möglichst vielen Partnerlinks auszustaffieren, da dies letztlich zu Lasten der Projektqualität passiert. Da gibt es bei Weitem bessere Möglichkeiten für die Vermarktung. Als Publisher hat man kaum Chancen, den Betrug um verdiente Provisionen nachzuweisen – das muss jedem Projektier bewusst sein.

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